18. Kapitel    ein geiles Jahr

Den Jahreswechsel hab ich glatt verschlafen und umsomehr freue ich mich auf den Besuch von Rosemarie. Aber was ist das ? Es wird hell vor meiner Hütte aber das brummen ist nicht meine liebste. Endlich werde ich aufgeklärt: Rosemarie geht in Altersteilzeit und darf genau wie ich nur noch bei gutem Wetter raus. Schneeflögge steht bei dem weissen hinten drauf: Aber mal ehrlich: Bei 5 M länge ist es eher ein ausgewachsener Schneemann als ein "Flöckchen". Aber Rosemarie hat mir ein verspätetetes Weihnachtsgeschenk mitgegeben, Ich darf nur mal gucken, behalten darf ich es erst nach dem Frühjahrsputz:

Die schönste Liebeserklärung die ein SLK dem anderen machen kann: "Rosemarries Nasenbär" wird in dezenten Buchstaben demnächst auf meinem süßen Hintern kleben. Was den Menschen ein Ring oder eine Kette ist uns Autos halt ein Klebeschild am Heck. Ich freu mich schon so.

Boah ist das kalt, wenn der Alte mich mal besucht und das Tor aufgeht. Meine Sommerschuhe werden jede Woche von Ihm mit einer Schicht LG versehen, damit der Bremsstaub keine Chance hat. Auch die Schühchen der Prinzessin werden gepflegt. Dann geht er nach 2 Stunden wieder ins Warme zu Blondie. Aber bald mache ich 2 Wochen Wellnessurlaub bei Joe, da werde ich ganz gründlich geputzt und er will meinen Lack ebenfalls mit mehreren Schichten LG schützen. Ich freu mich schon wie ein Nasenbär. Kitzelt zwar, aber selbst mein Auspuff glänzt wie neu, und das nach 70.000 KM in 5 Jahren.

Aber auch meinen Lack hat er gewienert wie dolle, das Leder auch und dann durfte ich pikobello sauber das erste Mal in die neue Ausstellungshalle: Boahhhh ist das schön...hier werde ich wohl demnächst immer den Winterschlaf verbringen. Wo ich gerade in meiner ganz privaten Wellnessfarm bin habe ich mich für eine Nasenkorrektur entschlossen, ausserdem ein Peeling mit etwas neuem Lack, damit meine Steinschläge auf der Haube der Vergangenheit angehören. Bleib ich halt noch ein bisschen und lasse es mir gut gehen.

Die Sonne lacht durch die grossen Glasscheiben und ich will raus hier, will meinen Alten wiedersehen und Blondies Hintern auf dem Sitz spüren, Sonne geniessen und endlich wieder mal das Grinsen von Herrchen im Gesicht sehen, wenn ich durch einen Tunnel bollere. Als ob er die gleichen Gedanken hätte: Er ist da.... schnell ist alles zusammengepackt und wir rollen ganz gemütlich in Richtung Heimat. Meine Prinzessin und Blondie erwarten mich schon und dann seh ich endlich meine renovierte Garage. Coool, er hat ein riesiges Jugendbild von mir ausgegraben und an die Wand gehangen. So lässt sichs leben. Jetzt muss er nur noch ein wenig Kohle für meine Nasenoperation ausgeben und die SLK Welt ist wieder in Ordnung.

Endlich...der Alte packt mir den Kofferraum mit den Bikerklamotten für Blondie voll und macht das Tor auf. Nein.... ich will ned..es regnet und ich habe doch gerade erst meine Pediküre erhalten. Aber die Freude auf das Wiedersehen mit den Bikern ist grösser und so rolle ich gemächlich in Richtung Stable. Schön, den Klang der Mopeds wieder zu hören und auch Stefan ist da, seine Rücklichter werde ich heute nicht aus den Scheinwerfern lassen. Nach einer unendlich langen Begrüssungsorgie und zig Tassen Kaffee für den Alten geht es endlich los, brav folge ich den Bikes auf den Landstraßen in Richtung Vogelsberg.

Da es immer noch nieselt lass ich mein Dach mal vorerst zu. Unterwegs wird es dann besser mit dem Wetter und ich mach mich frei, geil, endlich wieder Luft zu spüren, auch wenn sie zugegebener Maßen etwas frisch ist. Blondie ist als Sozia unterwegs und ich geniesse mit dem Alten alleine die vielen Kurven. Nach der Mittagspause fängt es wieder an zu regnen, aber was ist das...das ist nicht Blondie, die sich auf den Beifahrersitz setzt. Achhhhja, Andrea heisst die Gute und sie ist eine ganz liebe und sogar Vollgasfest. Über das warum mach ich mir jetzt aber keine Gedanken, ich muss aufpassen und auf der regennassen Bahn die Spur halten. Nach einer weiteren Pause geht es dann nach Hause und der Alte stärkt sich mit Kuchen und Steaks......Ja klar war ja auch soooooo anstrengend. Und ich ? Ich seh aus wie *zensiert*

Zu früh geschimpft, noch am Abend bekomme ich eine Schnellwäsche mit Fusspflege und darf mich dann in die warme Garage verkrümeln. Mein Schmuseteppich riecht immer noch so gut nach Rosemarie. Am nächsten Morgen sind wir wieder los, wieder in Richtung Vogelsberg um uns mit anderen SLK´s zu einer kleinen Tour zu treffen. Cool, die Saison beginnt ja richtig gut für mich. Es ist zwar mit 6- 12 C recht frisch, aber die Beiden geniessen die Luft und ich heize ein wenig bei, damit sie nicht krank werden. Tja, so bin ich halt...zu gut für die Straße.

Es war eine klasse Tour, geführt von meinem Vorfahren, einem schwarzen 170er sind wir dann zu viert durch den Vogelsberg und haben ganz gemütlkich die Landschaft genossen. Nach einer Kaffeepause ging es dann weiter zurück nach Alsfeld, wo ich mich von den beiden 171ern und dem schwarzen 170er verabschieden musste. Die Alten müssen heim, Frühschicht nennen die das - für mich "Zwangspause". So ein wenig langweile ich mich schon, der Alte hat viel zu wenig Zeit. Umso mehr freue ich mich, als ich höre dass wir zu Hub Car und Navisworld fahren. Was ich dort soll erfahre ich unterwegs:

Meine Susi muss noch mal die Schulbank drücken und soll das neueste Kartenmaterial aufgespielt bekommen. Cool. In Sindelfingen ging es auch recht flott und so sind wir dann zu Sören, der mir ein Bauteil vom Soundsystem auswechselte und meinen Bass neu einstellte, damit ich Blondie wieder ne gute Fussmassage verabreichen kann. Über Neustadt an der Weinstraße ging es dann im strömenden Regen nach Hause, wo ich dann auch gleich wieder in meine Kuschelgarage kam. Natürlich blitzeblank sauber... Der Alte weis ja schliesslich was er an mir hat.

Eines Nachmittags höre ich ein mir so vertrautes Brummen: Roooooooooosemarie schrei ich gegen das Garagentor...meine Liebste ist da...freu... Rosemarie will zu einem Pflegeworkshop und ich ? Ich muss zu Hause bleiben, Rosie darf noch nicht mal zu mir in die Garage, aber es ist schön ihr knistern zu hören als sie abkühlt und vor meiner Garage einschläft. Zwei Tage später, der Alte hat ja doch ein Herz, darf ich mich wenigstens von mir verabschieden und sehe in ihre wunderbaren Klarglasscheinwerfer, bis Donnerstag Liebster flüstert sie mir zu.. Donnerstag ? Ja klar, deshalb musste ich zu Hause bleiben. Wir machen Urlaub im Erzgebirge und in Dresden. Vier Tage darf ich dann mit Rosemarie um die Kurven wetzen und auch neben Ihr einschlafen...Ich freu mich wie ein Schneekönig oder heisst das Rächermännchen...grübel.

Mitten in der Nacht wecken mich die Beiden und wir rollen ganz gemächlich in Richtung Dresden. Susi sagt mir, sie wollen nach Meissen und Moritzburg - na denn. Während ich mich auf dem Parkplatz in Meissen und Moritzburg sonne machen die Beiden ein wenig auf Kultur. Gegen Mittag erreichen wir Dresden und ich habe schon nach 100 Metern Kopfsteinpflaster die Nase voll. Mann wird man hier durchgerüttelt. Das hält doch keine Schraube aus. Ok, während der Stadtrundfahrt entschädigt, dass wir offen fahren und wirklich schöne Blicke auf Dresden werfen können. Danach geht es über Schloss Pillnitz in Richtung Neuhausen, wo die Beiden zusammen mit den anderen mbslk- Fahrern einquartiert haben.

Wir sind die Ersten und ich muss auch noch draussen schlafen. Den komischen Ausflug nach einer Auspuffkalten Nacht am nächsten Tag erspare ich dem Leser, nur soviel: Es hat geregnet, geschneit und es war wirklich kalt in meinen dünnen Sommerschlappen.  Nach einer weiteren recht kühlen Nacht sind wir über kleine Landstrassen zur Autobahn, dort haben uns bei sonnigem Wetter bereits viele SLK´s erwartet. Aber wo ist Rosi ? Ahhhh...sie lässt sich noch das Gute Super in den Tank laufen.

Ich darf bis zum Hotel die Gruppe von 25 SLKs anführen und röhre stolz wie Oskar durch Vogtland und Erzgebirge. Rosie sehe ich nur im Spiegel ganz weit hinten und bei der kurzen Raucherpause im Wald, aber ich habe sie endlich in meiner Nähe und die Kurven des Erzgebirges machen nochmal so viel Spaß. Am nächsten Tag rollen wiir alle gemeinsam über die B 170 / 171 und 172 nach Dresden und während wir sicher in der Tiefgarage warten bekommen unsere Herrchen  Kultur pur. Die Rückfahrt war ungewöhnlich, wir haben uns verloren, nur Rosi kam noch zu meiner kleinen Gruppe von 5 SLKs und so ging es dann wieder ins Hotel...

Ich bekomme jeden Tag die Nase geputzt und darf heute das Erste mal ganz hinten fahren- für den Alten eine Premiere, aber ich kenn das doch von den Bikern. Es geht auf einer alten Rennstrecke zur Bastei und quer durchs Land wieder Retour. Zeitweise kann ich direkt hinter Rosie fahren und ich muss sagen: Geiler Hintern.... Eine letzte gemeinsame Nacht mit Rosie und dann trennen sich unsere Wege wieder...oder doch nicht. Ich sonne mich gerade bei einer Pause als ich ihr brummen höre. Ich kann noch nicht mal hupen, aber der Alte versteht mich und winkt. Klasse, so können wir uns nochmal verabschieden und ich folge ihr noch ein paar Kilometer bis wir endgültig andere Wege fahren müssen. Spätabends bin ich zu Hause, hundemüde, denn der Alte hat mich ganz schön gescheucht und zu allem Überfluss hat Blondi auch noch meine Rückenlehne verbogen, so dass eine Reparatur ansteht. Aber jetzt will ich schlafen und morgen früh in aller Ruhe baden. Der Staub von 1986 KM muss schliesslich runter.

Nach einer Woche Erholung durfte ich mal wieder raus und zu "meinen" Bikern. Ich sollte in meiner Funktion als Safety Car an der Ausstellung des Stable teilnehmen. Ich freue mich, seh ich doch all meine Freunde wieder und habe den Platz an der Sonne genossen. Motorrad- und Autobaugeschichte an einem Platz: Von der Schwalbe bis hin zur Harley, vom Trabbi und Karman Ghia bis zu meiner Wenigkeit. Das war einfach nur cool. Mit meiner Anlage habe ich den ganzen Tag die Menge unterhalten bis mir im wahrsten Sinne des Wortes der Saft ausging, aber Klaus und der Alte haben mich wiederbelebt....so sind sie halt einfach nur genial.

Aufgepasst haben alle Biker auf mich und der Alte hat es sichtlich genossen. Blondie musste leider arbeiten und ich habe sie erst Abends nur kurz gesehen. Aber auch faulenzen ist anstrengend, so werde ich mich während des Hessentags in Wetzlar mal richtig ausschlafen, während der Alte arbeitet.

19. Kapitel