29. Kapitel    Paulinchens Abschied und die Graue Eminenz und Paulinchen II

Der Winter ist fast rum, wir schreiben laut Bordcomputer den 1. März 2018 , als sich das Garagentor öffnet sehen wir nur weiß und es ist Bitterkalt, Selbst das Motoröl hat Minus 1 Grad. Brrrr. Ich bekomme ein Update fürs Navi und freue mich den Alten mal wieder zu sehen. So erfahre ich, dass wir Zuwachs bekommen haben: Ein C Coupe. Ey Alter...das ist doch kein Cabrio...naja, wenigstens hat das dicke graue Schiff Schiebedach und auch sonst allen erdenklichen Luxus. Jetzt wird der Alte bequem denk ich mir... Tja Alter hat nix schönes. Gesehen hab ich ihn noch nicht aber warten wir mal ab.

Paulinchen hat zu Recht Zukunftsangst: Blondie wird sich den Luxus nicht mehr gönnen können und 3 Sterne sind einfach einer zuviel. Auch die kleinen Japanischen Reiskocher bangen um Ihre Existenz. Warten wir mal ab...ich sehe das gelassen, mich werden Sparmaßnahmen als letztes treffen, dafür mag mich der Alte zu sehr. Also werde ich mich in dieser Saison mal von meiner besten Seite zeigen. Existenzsicherung nennt man das wohl.

Das unabwendbare passierte am 24.3.18: Der Alte holt Paulinchen und schraubt die Kennzeichen ab, sie hat ein neues zuhause im Schwarzwald wo es ihr sicher gut geht, denn sie durfte sogar ihren Schlafanzug mitnehmen. Tschüß Paulinchen, machs gut und pass auf Dich auf. Auch wenn ich immer gefrotzelt und gestichelt habe: Ich vermisse sie sehr und auch dem Alten und vor allem Blondie standen beim Abschied die Tränen in den Augen.

Ich wandere auf Paulinchens Garagenseite und der C kommt brummend in die Garage auf meinen Platz. Ey, mach Dich nicht so breit. Bevor ich mich in den Schlafi kuschel kann ich ihn mir noch in Ruhe ansehen. Gepflegte Erscheinung, dicke Backen und auch sonst ganz nett, ein bisschen brummelig im Klang, aber ok.. Nur halt sein Platzbedarf ist gewöhnungsbedürftig. Aber wir werden uns sicher einig.

Ich erzähle ihm dass wir es richtig gut haben bei den Beiden, Fusspflege, Wellness, regelmässige warme Duschen mit viel Schaum und auch wenn es mal zwickt wird sich gleich gekümmert. Das hört er gerne und gesteht dass er das schon gemerkt hat. So sauber sei er in den 6 Jahren nie gewesen, selbst an Ecken wo man nie hinsieht sei er geputzt worden. Ein kleines Wehwehchen habe er, aber auch da ist schon ein Termin gemacht, um den etwas lockeren Sensor der Parktronik u befestigen.

Seit 2009 habe ich schon diesen blöden Pickel unter der Kofferraumdichtung, jetzt ist er aufgeplatzt und der Alte hats natürlich auch gleich gesehen. Oh man, Alter hilft nix, da musst Du durch, ich kann es nicht ändern. Begeisterung ist anders und er macht mir einen Termin bei Familie Schwarz um die Roststelle entfernen zu lassen. Das Beste incl. Rost brummt er noch und verpasst mir nur eine kleine Wellnesskur. Ich merke, es geht ihm immer noch nicht wirklich gut und auf seinem Terminkalender stehen mehr Arztbesuche als Ausfahrten an, aber schauen wir mal wie die neue Saison wird. Das Coupe bringt den Alten täglich zur Arbeit, denn die zwei Reiskocher (prinzessin & Chantal) werden uns auch verlassen, das ist wohl beschlossen.

Da es Blondie mit der Hüfte und im allgemeinen nicht wirklich besser geht soll sie einen Automatik-Smart bekommen, so eine Knutschkugel aus Plastik. Zum Einkaufen und für die Fahrt zum Doc, die Einkäufe kann sie ja dann gleich mit dem Smartie in die Wohnung bringen hihi, aber warten wir mal ab...

Chantal hat einen Job als Döner Taxi angenommen, und Prinzessin geht als Kindertaxi nach Bonn. Jetzt bin nur noch ich und und der neue C, den ich gerne die Graue Eminenz nenne, da. Ich fahre meine erste Fahrt zur Familie Schwarz, die sich um meinen Pickel kümmern und auch gleich neue Xenon Brenner und Lampen einsetzen weil der Alte es mit seinen zittrigen Fingen nicht mehr hinbekommt. Nach einer Woche bin ich geliftet und habe sogar einen neuen Dichtgummi am Kofferraum. Als der Alte mich bei herrlichsten Sonnenschein holt ist er sichtlich zufrieden.

Aber ich kann nur kurz schlafen, am nächsten Morgen geht es in Richtung Nordosten, wo genau sagen die Beiden nicht. nach über 580 KM Landstraße sind wir mitten im Wald. Ey Alter, das ist nicht Dein Ernst. Oder doch ? Er kommt grinsend zurück und sagt wir bleiben hier: Im Waldhotel Roggosen. OK; ich darf wenigstens direkt vor dem Hoteeingang schlafen. Am nächsten Tag fahren wir in den Spreewald zum Kahnfahren. Während die Beiden die viele Natur geniessen sonne ich mich auf dem Parkplatz und beobachte das bunte treiben.

Noch ein schöner Ausflug durch die Seenplatte und dann geht es auch schon wieder nach Hause. Weil die Beiden am Geburtstag vom Alten so lange getagt haben fahren wir direkt Autobahn und ab Dresden darf ich mal wieder Vollgas fahren. Hat Spaß gemacht, aber auch Durst. 16 Liter gingen durch und der Alte meint es sei zu viel. Hey...D - ZUG verlangt Zuschlag.

Zu Hause bekomme ich endlich das lang vermisste Wellnessprogramm. Baden, eine Lage LG und Lederpflege, denn der Blütenstaub kitzelt mich wirklich überall, sogar im Schacht des DVD Spielers ist er zu finden und wird mit Q Tipps, entsorgt. Ich lerne auch Paulinchen II kennen, eine schwarz-gelbe Tupperschüssel auf Rädern, wenn ich mir die Anmerkung erlauben darf. Aber Blondie kommt damit zurecht und selbst die Kleene hat allen Luxus, sogar Leder. Naja, an Sicherheit und Ausstattung hat der Alte nie gespart. Jetzt sind wir also wieder zu Dritt. So, jetzt ne Runde schlafen und auf weitere schöne Wochenenden hoffen, vor allem dass es dem Alten endlich wieder besser geht und er mehr Zeit für mich hat.

Fast zwei Monate hab ich mich in der Garage gelangweilt, dann holt mich der Alte. Juchuu, endlich wieder eine Ausfahrt: Es geht mit 15 SLK und einer Corvette durch Westerwald und Sauerland, ein sonniger Tag, Micha begleitet uns und es ist einfach wieder schön ein paar Kurven zu räubern. Ok, gebummelt haben wir nicht, sind aber auch nicht gerast, obwohl der Alte mich manchmal ganz schön durch die Kurven getreten hat.

Die Beiden geniessen einfach die Sonne, Musik und natürlich mein Brummen. Zum Abendessen an der Krombachtalsperre verabschiedet sich Micha und wir fahren hinter einem 171er aus Wetzlar her, der Alexandra und Frank gehört. Als die Polizei hinter uns auftaucht schalten wir in den Schleich - und Leisemodus, eine Kontrolle braucht jetzt keiner mehr. Die neuen Xenon Brenner leuchten die Straße wesentlich besser aus und so bin ich auch gut und müde in der Garage angekommen. Am nächsten Morgen ist natürlich Badetag und der Alte entfernt meine TÜV Plakette, denn ich bekomme ja diesen Monat eine neue von Tobi. Ab in die Garage und unter dem Schlafanzug Schwitzen, denn es sind weit über 20 C.

Es vergeht s Woche für Woche und ich wundere mich schon dass selbst die graue Eminenz neben mir Pause hat und so langsam einstaubt. Dann erfahren wir das ganze Elend: Blondie im Krankenhaus, 3 x operiert und anschliessende Reha, kaum war sie zu Hause hat der Alte die Flügel gestreckt und es geht ihm absolut nicht gut. Ab und zu schaut er mal nach uns und ich freue mich, erfahre aber auch dass er immer noch krank geschrieben ist und nicht arbeiten geht. Alter so geht das nicht, Du musst fit sein, uns polieren und fahren… Gute Besserung! Such Dir doch mal einen guten Menschen-Mechaniker und pass etwas mehr auf Dich auf.

Die Eminenz erzählt mir, dass er mich verkaufen will, weil er nicht mehr so kann und selbst Auto waschen oder polieren sehr anstrengend für Ihn ist. Auch dass unsere Doppelgarage einen neuen Besitzer hat und wir noch nicht wissen ob der Alte den Mietvertrag verlängert bekommt. Ey Alter, mach kein Scheiß, ich will nicht weg….ich benehme mich auch…versprochen

Aber das Ganze erklärt, warum sie fast nur mit der Tupperschüssel unterwegs sind. Jetzt heisst es alle Ventile drücken und hoffen dass alles ganz schnell wieder gut wird.

Entwarnung kam zumindest im November: Der Alte kam mit zwei Herren zu uns in die Garage, es war wohl der neue Eigentümer. Schlussendlich hat es geklappt: Wir dürfen bleiben und bekommen sogar die Tore neue gestrichen. Geht doch. Jetzt muss nur noch der Alte schnell wieder fit werden. Aber er sieht einfach Sch*** aus, wenn ich das so sagen darf und deshalb meckere ich auch nicht dass es diesmal keine Winterwellnesswoche gab.

Ihre Eminenz hat ja Wintersocken, deshalb darf sie zum 60 Geburtstag von Blondie die Beiden mal drei Tage an den Bodensee bringen. Ich gönns den dreien, auch wenn ich gerne dieses Jahr etwas mehr geleistet hätte. Knapp 2400 KM und dabei nur dreimal die Garage verlassen, keine wirkliche Leistung.

Gute Besserung Ihr Beiden und denkt auch mal in nächsten Jahr an uns ! Und Blondie: Alles Gute zum 60. !

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